Landshut, 06.12.2019 (epk media)

– Ein Impuls für Vermögensverwalter.

Es war die Schlagzeile Ende Oktober. Die Aufmacher reichten von „Heiliger Crash“ über „Steht der Vatikan kurz vor dem Bankrott“ bis hin zu „Der Vatikan ist in vier Jahren pleite“. Basis dieser Meldungen ist ein neues Buch „Guidizio universale“ des angesehen Investigativjournalist Gianluigi Nuzzi, was soviel wie „Das jüngste Gericht“ bedeutet. Detailreich werden dort Fakten und Einschätzungen einer drohenden finanziellen Misere beschrieben, die er durch Aktenstudium von mehr als 3000 bisher noch nie veröffentlichten Dokumenten zusammengetragen hat. Nuzzi erhebt dabei schwere Missmanagement-Vorwürfe gegenüber den Verantwortlichen des Kirchenstaates.

Richtig und unbestritten ist, dass dem Buch und unabhängigen Quellen zur Folge die Einnahmen aus den Diözesen – vor allem aus den reichen in Deutschland und den USA – sich seit 2006 deutlich reduziert. Es heißt, dass diese sich von über 100 Millionen Euro p.a. auf rund 50 Millionen Euro halbiert hätten. Der Vorwurf, dass davon lediglich 20 Prozent an soziale und karitative Einrichtungen der Kirche gehen, ist hierbei eher ein ethisches wie ökonomisches Dilemma. Missmanagement ist gemäß den Recherchen von Nuzzi in der Güter- und Immobilienverwaltung des Kirchenstaates, dem sogenannten APSA, zu unterstellen, wenn man liest, dass von 4.421 verwalteten Immobilien 800 Leerstehen sowie von den verbleibenden Immobilien 15 Prozent mietfrei und die Hälfte unter Preis vermietet sind. Da kommt einem der Skandal vor Jahren in den Sinn, wo ein führender Kardinal eine 400 Quadratmeter-Wohnung in für sich und sein Personal aufwendig renovieren hat lassen. Dazu muss man wissen, dass Kardinale meist mietfrei in Objekten des Vatikans leben. Dies alles hat zur Folge, dass das Defizit der ASPA derzeit bei 63,3 Millionen Euro liegen soll, was eine Steigerung von 200 Prozent in den letzten fünf Jahren bedeutet.

Soweit so gut. Jetzt kommt aber der kritische Blickwinkel auf die plakative Überschrift. Und hier darf ich mit einem Einblick aus dem Buch „Das Märchen vom reichen Land“ von Daniel Stelter aufklären. Stelter schreibt ein ganzes Kapitel über den Unterschied zwischen Einkommen und Vermögen. Am Beispiel Deutschland zeigt er, dass mit einem Bruttoinlandsprodukt – also im Bereich Einkommen (=Flussgröße) – von rund 48.000 USD gemäß dem IWF pro Kopf man an Platz 20 zu den best verdienenden Länder gehört. Jedoch besitzen die Deutschen wenig Vermögen (=Bestandsgröße). Selbst der kapitalismuskritischen Reichtumsforscher Thomas Piketty, der umfangreiches Datenmaterial zum Entwicklung von Vermögen in den einzelnen Euroländern ausgewertet hat, kommt zu einem klaren Ergebnis: Die Deutschen besitzen im Durchschnitt weniger Vermögen als die Italiener, Franzosen oder Spanier. Dies nur zur Erläuterung des Unterschieds zwischen Einkommen und Vermögen.

Zurück zum Vatikan: Gerne würde man ein Bruttoinlandsprodukt für den Vatikan ausweisen, aber dies wird nicht für die weniger als 500 Staatsbürger ermittelt. Aber wenn man einen Blick in den kommunizierten Jahreshaushalt von etwa 300 Millionen wirft und allein das Immobilienvermögen, was rund 3 Milliarden umfassen soll, dagegenstellt, kann von einer Pleite keine Rede sein. Und das Immobilienvermögen ist ja nur ein Bruchteil des kirchlichen Vermögens. Die unschätzbaren Kunstschätze, das weitverzweigte und intransparente Stiftungs- und Firmengeflecht spricht eine deutliche Sprache. Der Vatikan ist reich und wenn es eine Steigerung von reich gebe, würde dies für den Vatikan zutreffen. Maximal steckt der Kirchenstaat in Liquiditätsproblemen. Und diese basieren auf, und hier ist ein Buch wie das von Gianluigi Nuzzi zur Offenlegung unschätzbar, Missmanagement, Korruption und totaler Unkenntnis von finanzökonomischer Regel und vermögensverwaltungstechnischer Methoden. Dies hört aber nicht im Vatikan auf. In Deutschland zeigt der Millionenschaden beim Bistum in Eichstätt, welche wirtschaftliche Dilettanten hier für die Verwaltung der Gelder zuständig ist. Und dies potenziert sich in der römischen Kurie um ein Vielfaches.

Zusammenfassend lässt sich sagen:

  • Bei ihrem kolportierten exorbitanten Vermögen ist der Vatikan bei weitem nicht pleite, maximal in Zahlungsschwierigkeiten. Bei entsprechender Vermögensverwaltung könnte wahrscheinlich der Kirchenstaat autark allein aus dem Vermögen überleben.
  • Nicht nur weil es sich oft um (Spenden)Gelder auch aus Deutschland sollte ein „Sozialunternehmen“ wie die Kirche und der Kirchenstaat professionelle Vermögensverwaltung in Gelddingen beherzigen.
  • Auch in monarchischen Systemen wie der absolutistische Stuhl Petri ist es an der Zeit für Transparenz und einem angemessenen Vermögensreporting.

Quelle: epk media Verlag